Der Stein weit den Weg zur Höhle ©PhotoArt Claudia Kleemann

Etwa drei Kilometer nordöstlich der Ortschaft Milatos befindet sich auf einer Höhe von 155 Metern die gleichnamige „Milatos Höhle“, auch  „Rapas Höhle“ genannt. Wenn man sie besuchen möchte, sollte man dem Navigationssystem oder auch „Google Maps“ nicht vollständig vertrauen, denn die angezeigte Route endet zum Teil im Nirgendwo. Was man also suchen sollte, ist ein groĂźer Fels, auf dem „Historic Cave of Milatos“ („Historische Milatos Höhle“) steht. Von dort fĂĽhrt ein bergiger FuĂźweg zum Höhleneingang, den man nach etwa 15 Minuten erreicht.

Die Höhle ist durchgängig für Besucher geöffnet und leicht zugänglich. Da sie allerdings über keine Beleuchtung verfügt, ist es ratsam, wenn man sich mit einer Taschenlampe bewaffnet. So kann man auch die dunkleren Stellen der Höhle erkunden. Den vorderen Bereich der Milatos Höhle muss man in gebeugter Haltung durchlaufen, den Rest der etwa 75 Meter langen und 45 Meter breiten Höhle dann auch wieder ein aufrechter Gang möglich. Der Haupteingang hat eine Breite von neun Metern. Er ist zudem zwei Meter hoch. Darüber hinaus gibt es noch sieben weitere Nebeneingänge.

Die Tragödie im Winter 1822/23

Aufstieg zur Höhle ©PhotoArt Claudia Kleemann

Wie so viele Höhlen auf Kreta blickt auch die Höhle von Milatos auf eine traurige Vergangenheit zurück: Im Winter 1822/23 verwüstete Hassan Pascha das Lassithi Plateau. Danach zogen seine Truppen in die Region Mirabelo, deren Bewohner ebenfalls die vollständige Zerstörung befürchteten. Sie suchten Zuflucht in verschiedenen Höhlen der Umgebung, wobei die Bewohner der Dörfer Neapolis, Latsida, Voulismeni und Milatos in die Höhle von Milatos flohen.

Ein türkischer Einwohner aus Voulismeni verriet die Dorfbewohner an Hassan Pascha. Der schickte seinen Leutnant mit einem Gefolge von 5.000 Soldaten, um den Widerstand der Kreter zu brechen. Zwar gelang es den Türken, den Höhleneingang zu umzingeln, aber die Griechen leisteten dieser Belagerung trotzdem erfolgreich Widerstand. Daraufhin boten die Belagerer an, dass sich die Griechen ergeben sollten und ihnen nichts angetan werde. Diese jedoch trauten den Türken nicht und weigerten sich, die Höhle zu verlassen. Was sie daraufhin erwarten sollte, war ein Schicksal, das stark an die tragische Geschichte der Melidoni Höhle erinnert.

Massaker ohne Grenzen

Am 15. Februar 1823 räucherten die TĂĽrken den Eingang der Höhle ein.  Um dem sicheren Erstickungstod zu entgehen, verlieĂźen die Kreter die Höhle. 30 von ihnen wurden direkt massakriert. Die anderen Bewohner band man mit Seilen und Ketten zusammen und brachte sie nach Neapolis. Frauen wurden mit ihren Zöpfen zusammengebunden und das schönste Mädchen wurde als Sklave an den Pascha ĂĽbergeben. Ă„ltere Männer wurden in die Position „Grambellen“ verlegt, dort ritt die Kavallerie vorbei, zertrampelte sie und hackte ihnen die Köpfe ab. Auch alle Kleinkinder wurden massakriert und ihre MĂĽtter wurden als Sklavinnen verkauft.

Geschichtlich wird immer wieder die Frage von Schuld und Sühne aufgeworfen. Wie auch immer die Antwort darauf aussieht, so dauerte es zumindest bei Hassan Pascha nicht lange. Wenige Tage nach den von ihm veranlassten Gräueltaten fand er selbst den Tod.

Jährliches Gedenkfest in der Kapelle

Die Thomas Kapelle ©PhotoArt Claudia Kleemann

In der ersten Halle des Hauptteils der Höhle errichteten die Einheimischen im Jahre 1935 eine Kapelle, die sie dem Apostel Thomas widmeten. Am jährlich stattfindenden „Thomastag“ gedenkt man der Toten und feiert zu ihren Ehren ein Fest. Nahe der Kapelle befindet sich ein Gebeinhaus, das einige Knochen der Opfer von 1823 enthält.

Das Video zur Milatos Höhle von Hans Gyr:

 

 

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(Claudia Kleemann)

1 KOMMENTAR

  1. Moin und Kalimera, schon eine heftige Geschichte mit der Höhle bei Mílatos. Erinnert ein wenig an das Kloster Arkadi.

    Ich habe gelesen, das die Kreter in der Höhle ausgehungert worden. Zu bestimmten Ereignissen auf Kreta gibt es oft verschiedene Geschichten und Quellen.

    Ta Leme, kv

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