Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Nikos Kazantzakis aus dem Jahr 1946 spielt der Film „Alexis Zorbas“ (Original: „Zorba, the Greek“, 1964) in einem abgelegenen kretischen Dorf. Die Hauptfigur ist ein an einer Schreibblockade leidender, britischer Intellektueller namens Basil. Er reist nach Griechenland, um einen Familienbetrieb wieder aufzunehmen. Auf dem Schiff nach Kreta trifft er Alexis Zorbas, einen lebensbejahenden, wenn auch sehr eigenwilligen Lebenskünstler. Dieser wird schließlich sein Koch, Geschäftspartner und Allzweckkumpan.

„Alexis Zorbas“ wurde für vier Oscars nominiert und erhielt drei der begehrten Auszeichnungen. Zu verdanken hat er dies vor allem Anthony Quinn sowie der wunderbaren Landschaft Kretas. Der Brite Basil verkörpert dabei eher den Harry-Potter-Typus. Er stolpert durchs Leben und hat selbst wenig Einfluss auf die Entwicklung der Handlung. Zorbas dagegen ist sein freieres Alter Ego. Ihm geht es hauptsächlich darum zu improvisieren, seinem Instinkt zu folgen und so viel Sex wie möglich zu haben.

„Wenn eine Frau allein schläft, ist das fĂĽr alle Männer eine Schande“,

Alexis Zorbas

 

Gar nicht so griechisch, wie man denkt

Auch wenn man den Film „Alexis Zorbas“ gar nicht gesehen hat, reicht ein Blick auf die abschließende Tanzszene, um ein unverkennbares Gefühl griechischer Lebens- und Denkweise zu erhalten. Zorbas und sein britischer Freund tanzen den populären Sirtaki, während eine stimmungsvolle Melodie von Mikis Theodorakis ertönt. Im Hintergrund sieht man die trockene, kretische Landschaft und die Ägäis.

Richtig griechisch, mag man denken, wenn Anthony Quinn alias Alexis Zorbas so unbeschwert durch die Gegend tanzt. FĂĽr einen Kreten aus dem Jahr 1964, dem Jahr der Veröffentlichung des Films, mag das Ganze jedoch ziemlich seltsam ausgesehen haben, denn vor dem Film gab es den Tanz ĂĽberhaupt nicht. Der Choreograf Giorgos Provias, der manchmal als „der Nurejew des Volkstanzes“ bezeichnet wurde, erfand ihn speziell fĂĽr die letzte Szene. Dabei lieĂź er sich von verschiedenen kretischen Tänzen inspirieren. Heutzutage gilt der Sirtaki als der griechische Tanz schlechthin.

Anthony Quinn ganz und gar ungriechisch

Obwohl der Film „Alexis Zorbas“ von einem Griechen inszeniert, komponiert und choreographiert wurde, richtete er sich an ein ausländisches Publikum. Die meisten Dialoge wurden auf Englisch gesprochen und der Schauspieler Anthony Quinn wurde in Chihuahua, Mexiko, geboren. Die drei griechischen Wörter, die er im Laufe des Films ausspricht, verraten seine mangelnde Vertrautheit mit der Sprache. Das Ergebnis hört sich beinahe genauso lausig an wie die Aussprache der angeblich mexikanischen Kartellmitglieder in „Breaking Bad“. Deren Spanisch war so fernab des wirklichen Akzents, dass man sich die Ohren abreiĂźen wollte. Dazu war Quinn angeblich ein schrecklicher Tänzer. Das fĂĽhrte letztendlich zu dem Fakt, dass im groĂźen Finale des Films ein Ersatzmann an seiner Stelle auftreten musste.

Vom Zeitgeist inspiriert

Das gesamte Schema – das rationale nordeuropäische, das sinnliche mediterrane – war ein Produkt seiner Zeit. Die 1960er Jahre waren das goldene Zeitalter der mediterranen Anthropologie, einer akademischen Strömung, die versuchte, kleine, isolierte Gemeinschaften im Hinterland von Griechenland, Spanien oder Italien zu analysieren.

Dies zeigt sich in einigen Teilen des Films. In einer Szene ermorden die kretischen Einheimischen brutal eine schöne Witwe, weil sie es gewagt hatte, mit einem Ausländer zu schlafen. Noch empörender für die Dorfgemeinschaft ist der Fakt, dass sie zuvor verweigert hatte, mit einem von ihnen intim zu werden. Letztendlich bleibt der Mord lediglich eine Nebenhandlung, aber er zeigt die ehrenhafte Tapferkeit, die nach damaliger Ansicht das Leben jedes Mannes aus dem Mittelmeerraum bestimmt.

Der Grieche als Abbild von Alexis Zorbas

Der Film war in Griechenland ein riesiger Erfolg. Die Griechen machten sich Zorbas vitalistisches Weltbild zu eigen, so wie sie es auch mit dem Sirtaki-Tanz und den Melodien von Theodorakis taten. All dies spielte eine wesentliche Rolle in der wachsenden Tourismusindustrie des Landes. Griechenland gelang es, sich als das moralisch entspannte Reiseziel zu profilieren, in dem man sich von den Zwängen der Zivilisation lösen kann. Aber natürlich ging diese Vorstellung nach hinten los, als Griechenland die Schuld für das wirtschaftliche Missmanagement zu verantworten hatte, das zu der Finanzkrise führte. Als Vorbild hätte nun Alexis Zorbas dienen können. Als das Bergbauprojekt, an dem er seit Wochen arbeitete, spektakulär zusammenbrach, reagierte er mit der griechischsten aller Möglichkeiten: Er lachte, zog seine Jacke aus und tanzte.

ZurĂĽck zu unserer Hauptseite gelangen Sie hier

(LaK)

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Bitte Namen eingeben