Der wilde Osten Teil I

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Wertvolle Ausflugstipps unseres Autoren Michael Meinert, der die Plätze auf Kreta kennt, die man in den wenigsten Reiseführern findet.

Manchmal ist das Leben richtig schön. 25 Grad, ein angenehm warmer Wind, keine Wolke am Himmel, das Meer herrlich ruhig. Es brüstet sich geradezu mit seinen Türkis- und Blautönen, mit seinem feinen weißen Sand, mit der Weite. Kein Mensch ist in der Nähe, an diesem wunderbaren Frühsommermorgen in Xerokambos.

Xerokambos? Der kleine Ort liegt an der Südostecke von Kreta. Weit entfernt vom Massentourismus. Nur kleine Sträßchen führen hierher, von Palekastro aus oder – ein größeres Unterfangen – von Ierapetra. Xerokambos hat grandiose Sandstrände, an denen sich die wenigen Besucher verlieren, ein paar Kiesbuchten, kleine Pensionen, Tavernen mit hervorragender Küche, höchst erfreulichen Preisen und netten Besitzern. Wenn man der Serpentinenstraße aus Richtung Ziros folgt, die sich in engen Kurven den Berg hinunter schlängelt, hat man grandiose Ausblicke auf den kleinen Ort und seine phantastische Küstenlinie.

Die Umgebung des Dorfes, eine der für Ostkreta so typischen trockenen Gegenden, ist nahezu unberührt, ideal für Wanderungen durch Schluchten, auf die Berge, oder einfach am Meer entlang. Und immer wieder findet man die Spuren von Kretas jahrtausendealter Kultur.

Geschäfte mit den Pharaonen

16 Autokilometer von Xerokambos entfernt liegen die Ruinen des Palastes von Kato Zakros. Er gehört zu den großen minoischen Palästen, hat aber nur ein Fünftel der Größe von Knossos und ist bei weitem nicht so bekannt. Und daher auch nicht voller Besucher. Heute ist Kato Zakros in erster Linie eine Ansammlung von Tavernen an einem schönen Strand, vor 4000 Jahres war es eine blühende Hafen- und Handelsstadt. In den Trümmern des um 1450 vor Christus zerstörten Palastes fanden die Ausgräber eine Fülle von Gebrauchs- und Kunstgegenständen, und einige von ihnen dokumentieren Handelsbeziehungen zu Ägypten, Zypern und dem Nahen Osten: Mein Tipp: zwei drei Tage in einer der netten Pensionen des Ortes einmieten, in aller Ruhe die Ausgrabungen besichtigen, und vor allem: Eine der schönsten Wanderstrecken Kretas erkunden –  das Tal der Toten.

Gräber in der Felswand

Wunderschöne Schlucht mit minoischen Grabhöhlen: das Tal der Toten bei Kato Zakros. Foto: Iris Heymann

Das Tal der Toten ist eine imposante Schlucht, die sich vom Palast aus zum heutigen Städtchen Zakros erstreckt. In den Wänden der Schlucht gibt es zahllose Höhlen, und dort haben die Minoer ihre Toten bestattet. Der Weg durch die Schlucht dürfte in minoischer Zeit eine bedeutende Straße gewesen sein – und heute ist es ein großartiges Erlebnis, auf ihm zu wandern. Während diese Tour recht einfach zu gehen ist, gibt es eine anspruchsvollere Alternative ein Stückchen weiter nördlich. Dieser Pfad beginnt ebenfalls in der Nähe des Palastes.

Kretas Ostküste erstreckt sich auf knapp 40 Kilometern von Xerokambos bis nördlich des berühmten Palmenstrandes von Vai, dessen unwirkliche Schönheit leider meist angesichts der Besuchermassen verblasst. Sein Zauber entfaltet sich aber am frühen Morgen, bevor der Trubel losgeht.

Ansonsten sind Hektik und Gedränge im wilden Osten Kretas kein Thema. Wer Einsamkeit und Abenteuer sucht, ist auf dem Wanderweg richtig, der sich an der Küste entlang zieht – soweit man den Pfad Weg nennen mag. Aber es macht einen Riesenspaß. Nur bei zu starkem Wind, und der weht häufig oben auf den Klippen, wird es beschwerlich.

 Durch die „Schokoladenschlucht“

Da fahren wir doch lieber ins „Schokoladendorf“.  Eigentlich heißt es Chochlakies, liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Xerokambos und Vai. Kurz nach dem Ortsausgang beginnt der Spazierweg durch die Chochlakies-Schlucht – und der endet nach drei Kilometern an einem Strand, der ansonsten nur mit dem Boot zu erreichen ist. Und wenn man Glück hat, ist man dort wirklich ganz allein. Oder besser, zu zweit.

Wenn ihr möchtet, dann begleitet mich demnächst hier bei „Leben auf Kreta“ doch nach Palekastro, diesem netten und ursprünglichen Städtchen südlich von Vai. Hier kann man ins „normale“ Leben Kretas eintauchen, eine minoische Stadt besichtigen und – etwas weiter weg – einen geradezu magischen Strand erkunden.

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(Michael Meinert)