Wer Kreta erleben will, der kommt an einer Wanderung durch die Samaria-Schlucht nicht vorbei. Den Besucher erwarten dabei eine einzigartige Flora, unglaubliche Ausblicke und spektakuläre Felswände. Ein solches Naturspektakel hat man natürlich nicht für sich alleine. In der Hochsaison durchqueren in Zeiten, in denen Corona keinen Einfluss auf den Touristenstrom nimmt, täglich etwa 4.000 Wanderer die Samaria-Schlucht.

Der Startpunkt der Wanderung durch eine der längsten Schluchten Europas (12,8 Kilometer) ist das nördlich der Schlucht gelegene Xyloskalo. Als Wanderer wird man von dem 2.000 Meter hohen, heiligen Berg Gingilos begrüßt. Den Großteil der Tour durch den Canyon geht es bergab, oftmals über eine Vielzahl von Treppen.

Vögel, Feen und Freiheitskämpfer

Zu Beginn der Wanderung durchquert man einen Wald mit Pinien und alten Zypressen. Dieses Gebiet wurde 1962 zum Nationalpark erklärt, später kamen noch weitere Bereiche hinzu. Hier rasten auch viele Zugvögel, weshalb man mit ein wenig Glück Steinadler oder Bartgeier beobachten kann. Anschließend kreuzt der Weg ein trockenes Flussbett, welches von gewaltigen Steinbrocken gesäumt wird. Um diesen beeindruckenden Ort ranken sich viele Legenden. Und zugegeben, man kann sich leicht vorstellen, wie die Feen am kleinen Wasserfall tanzen oder sich die Geister der Freiheitskämpfer noch immer in der Schlucht verstecken.

Halbzeit in Samaria – und dann wird es noch schöner

Nach gut der Hälfte der Strecke erreicht man das Dorf Samaria. Dessen Einwohner lebten hier bis zu ihrer Umsiedlung 1965. Heute sind die Steinhäuser verlassen, allerdings befindet sich hier die Station der Parkranger. Und nun beginnt der spektakulärste Teil der Wanderung. Die Schlucht wird tiefer und enger. Zuweilen türmen sich die Felswände zu beiden Seiten des Weges 100 Meter hoch. Durch ein ausgetrocknetes Flussbett gelangt man zu dem bekanntesten Punkt der Schlucht, der Eisernen Pforte. Diese ist mit drei Metern auch die engste Stelle des Canyons.

Das Flussbett führt auf dem letzten Teil der Wanderung teilweise noch Wasser. Der Fluss Tarraios kann an mehreren Stellen über einfache Holzleitern überwunden werden. Beeindruckend tut sich dann der Blick aufs Libysche Meer auf. Von dort aus kann man mit dem Shuttle-Bus nach Agia Roumeli gelangen oder auch die restlichen 30 Minuten zu Fuß zurücklegen. Dort angekommen lohnt der Blick aus einer der Tavernen auf das tief blaue Mittelmeer. Es gibt wohl niemanden, der diese Wanderung jemals vergisst.

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(LaK)