Ein Erlebnisbericht unserer Gast-Autorin Claudia Kleemann (PhotoArt):

Fast jeder hat von der schönsten Schlucht auf Kreta gehört oder gelesen. Viele sind sie auch schon von „Oben nach Unten“ durchwandert, zusammen mit Hunderten anderer Touristen. Wer die Schönheit des Nationalparks Samaria und der Schlucht jedoch ohne großen Touristenauflauf genießen möchte, sollte sich Zeit nehmen.

Informationen im Vorfeld beachten

Als Individual-Wanderer muss man sich im Vorfeld in jedem Fall erkundigen, ob die Schlucht geöffnet ist. In der Regel ist das vom 1. Mai bis 15. Oktober der Fall. Jedoch kann es passieren, dass sie auch früher oder später öffnet und schließt – abhängig davon, wie viel Regen im Winter und Frühjahr  gefallen ist. Darüber hinaus war die Schlucht auch schon im Hochsommer wegen Waldbrandgefahr geschlossen.

Egal, wie individuell man die Wanderung gestalten möchte, generell ist in der Schlucht folgendes verboten:

  • Übernachten
  • Campieren
  • offenes Feuer, Grillen
  • Rauchen ist nur auf den ausgewiesenen Rastplätzen gestattet
  • Baden im Bach

Ganz wichtig zu erwähnen ist gutes Schuhwerk, mit Flip Flops oder Schühchen mit dünnen Sohlen wird die Wanderung zur Qual. Außerdem benötigt man guten Sonnenschutz und viel Wasser; man kann die eigenen Flaschen jedoch an den Rastplätzen mit kristallklarem Quellwasser nachfüllen.

Als ideale Lösung hat sich für uns folgender Ablauf erwiesen:

Ein kleines Köfferchen packen und morgens früh mit dem Auto vom eigentlichen Urlaubsort bis Chora Sfakion an die Südküste fahren, dort das Auto abstellen und die Fähre nach Agia Roumeli nehmen. Die Fähre macht einen Halt in Loutro. Dort kann man, wenn man möchte, einen Zwischenstopp zum Mittagessen einlegen und sich das nur per Schiff oder zu Fuß erreichbare Dörfchen ansehen.

Wunderschöner Ausblick in Agia Roumeli ©PhotoArt Claudia Kleemann

Anschließend mit der Fähre bis zum Endziel Agia Roumeli fahren und im Ort ein Zimmer für zwei Nächte suchen. Selbst in der Hauptsaison haben wir nie Probleme gehabt, dort eine Unterkunft zu bekommen.

Das Abenteuer entspannt beginnen

In Ruhe lässt man den Tag mit einem Bad im libyschen Meer und einem leckeren Abendessen mit Blick auf das Meer ausklingen. Da gegen 17 Uhr alle Wanderer, die die Schlucht aus nördlicher Richtung gekommen sind, von der Fähre abgeholt werden, ist der Ort ab dieser Zeit sehr ruhig und beschaulich. Es gab immer Zeit für einen Plausch mit Einheimischen oder dem Wirt der Taverne.

Am nächsten Morgen sollte man früh aufstehen und spätestens gegen 7 Uhr die Wanderung beginnen. In der der Morgensonne bei angenehmen Temperaturen ist die Schlucht ein fantastisches Naturerlebnis, vor allem deswegen, weil man alleine dort ist.

Die Eiserne Pforte ©PhotoArt Claudia Kleemann

Wir wanderten immer etwa 9 bis 11 Kilometer durch das beeindruckende „Eiserne Tor“ bis hinter das unbewohnte Dorf Samaria. Mit etwas Glück sieht man Kri Kris, die kretischen Wildziegen und Geier, die über die Schlucht kreisen. Stetig rauscht das Bächlein durch die Schlucht. An den Ufern wachsen Kräuter, Oleanderbüsche und im Frühjahr seltene Orchideenarten. Dort  laben sich zahlreiche Vögel und Insekten.

Wenn die Zeit kommt, umzukehren

Kamen uns die schnellsten Wanderer aus der anderen Richtung entgegen, sind auch wir umgekehrt. So hatten wir die schönsten Passagen ganz für uns alleine, konnten aber jetzt den Menschenmassen entgehen. Schließlich werden täglich über 1.000 Touristen an den oberen Schluchteingang gebracht, um Richtung Süden zu wandern.

Wieder in Agia Roumeli angekommen, geht man zur Regenerierung wieder an den Strand oder beobachtet, wie die Menschenmassen im Ort einfallen; manche topfit, einige aber auch total fix und fertig. Gegen 17 Uhr ist der Spuk dann wieder vorüber und man verbringt einen weiteren beschaulichen Abend im Ort.

Am nächsten Morgen fährt man in aller Ruhe wieder mit dem Schiff nach Chora Sfakion, setzt sich ins Auto und fährt im Tageslicht durch die Berge an seinen Urlaubsort zurück.

Entspannter, aber teurer

Das besondere Individualerlebnis hat seinen Preis ©PhotoArt Claudia Kleemann

Individualismus hat natürlich auch seinen Preis. Die Variante für Pauschaltouristen, die aus nördlicher Richtung in einem Tag die Schlucht abhaken, kostet je nach Anbieter zwischen 40 und 50 €. Bei der Individual-Variante, für die man einen Mietwagen (ca. 35 €), Schiffsticket für Hin-und Rückfahrt (ca. 20 €) und ein Übernachtungsmöglichkeit für 2 Nächte benötigt (ca. 60 bis 80 €), rund dreimal Essen geht (ca. 50 €) und zweimal frühstückt (ca. 15 €), liegt man bei dieser Version schnell bei dem vier- bis fünffachen Preis.

Uns war das „Naturparadies Samaria Schlucht alleine genießen“  immer den Mehrpreis wert.

Mehr interessante Informationen zu Erlebnissen auf Kreta finden Sie hier 

(C.K.)