Ein Erlebnisbericht unserer Gast-Autorin Claudia Kleemann (PhotoArt):

Als ich dieses Jahr im Oktober mal wieder Urlaub auf Kreta machte, wollte ich mir unbedingt den Amazonas Park in den Bergen Kretas anschauen, über den ich zuvor im Internet gelesen hatte. Da ich eigentlich der Tierhaltung in Zoos und Tiergärten kritisch gegenüberstehe, war ich sehr gespannt, ob Erstaunen oder Entsetzen auf mich zukommen würde. Zu meiner Freude muss ich sagen, dass es Ersteres war. Was der Gründer des Parks dort geleistet hat, verdient außerordentlichen Respekt. Patricio, gebürtiger Portugiese, den ich persönlich kennenlernen durfte, war einst Journalist bei der Luxemburger Woche.

Ein Mann und seine Leidenschaft

Schwarzer Palmkakadu ©PhotoArt Claudia Kleemann

Wie mir Patricio erzählte, hat er seine Liebe zu Sittichen und Papageien von seinem Vater übernommen. Schon in Luxemburg hatte er sich für diese Vögel eingesetzt, übernahm und versorgte von der Zollbehörde  beschlagnahmte Papageien. Dann kamen auch noch Privatpersonen, die ihre Tiere nicht mehr versorgen konnten. Im Jahr 2010 begann er auf Kreta, den „Amazonas-Park“ aufzubauen. Patricio hat die gesamte Anlage selbst finanziert und  aufgebaut, Volieren und Wege gebaut, Pflanzen gesetzt, usw. Auch heutzutage wird der Amazonas Park ständig erweitert und verbessert. Im Winter werden die Volieren mit Plexiglas gegen den Regen geschützt.

Der Name „Park“ gefällt Patricio selbst nicht sonderlich, denn eigentlich ist es eine Auffangstation. Da die griechischen Behörden das Wort “Auffangstation” aber nicht verstehen konnten, einigte man sich auf die Bezeichnung „Park“. Der „Amazonas Park“ ist eine Auffangstation für große und kleine Papageien aus aller Welt. Es sind Tiere, die wegen unerlaubter Einfuhr vom Zoll beschlagnahmt wurden, Tiere aus schlechter oder sogar qualvoller Haltung und Vögel, deren Besitzer sie aus finanziellen oder Altersgründen nicht mehr halten konnten. (Papageien können schon mal bis zu 80 Jahre alt werden).

Mittlerweile nimmt Patricio auch fast alle anderen Tiere aus nicht artgerechter Haltung auf. Er päppelt sie mit seinen Angestellten hinter den Kulissen auf und vermittelt sie dann an andere Tiergärten oder verantwortungsvolle Halter weiter. Er erklärt: „Wir können hier im Park nicht alle Tiere behalten. Es muss schon zum Gesamtkonzept passen“.

Artgerechte Haltung das A und O

Bei der Fütterung zeigen sich die Affen menschennah ©PhotoArt Claudia Kleemann

Sehr viel Wert legt der Portugiese auf die gesunde Ernährung seiner Schützlinge. „Sie müssen glücklich sein“ sagt er. Papageien in Einzelhaltung sind unglücklich, insofern werden die Vögel immer vergesellschaftet. Sie brauchen Platz zum Fliegen, wenn sie gesund sind. Die Größe der Volieren hat mich beeindruckt, die Tiere haben dort mehr Platz als in manchem renommierten Zoo in Deutschland. Außerdem ist Sauberkeit unerlässlich, um die Tiere gesund und von Ungeziefer frei zu halten. Auch hierfür wird umfänglich gesorgt.

Neben den Papageien kümmert sich Patricio auch um einige Affenrassen, insbesondere Berberaffen und Kattas, eine Lemurenart aus Madagaskar. Auch diese haben ein wunderbar großes Gehege, um uneingeschränkt herumzutollen. Für alle Besucher gibt es geführte Fütterungen in den Affengehegen. Wer möchte, kann gegen kleines Entgelt Futtertüten erwerben. Dabei erklärt Patricio in mehreren Sprachen genau, wie die Fütterung zu erfolgen hat. Man sollte seinen Ausführungen folgen.

Ich selbst habe eine Fütterung mitgemacht und war begeistert, den Tieren so nahe zu sein. Die Berberaffen hatten sogar Jungtiere, die Kattas sind überaus zutraulich. Teilweise hatte ich zwei bis drei auf Schultern und Kopf sitzen. „Anfassen verboten“ so Patricio. „Das mögen Affen nicht, auch wenn es noch so verlockend ist.“ Ihm ist es sehr wichtig, dass auch Schulklassen den Park besuchen, um den Kindern klar zu machen, dass diese Tiere nicht einfach ein farbenfrohes Schmuckstück oder Spielzeug sind, sondern auch Bedürfnisse haben und für den Halter viel Verantwortung, Aufwand und Arbeit bedeuten.

Ein Katta in seiner Lieblingspose©PhotoArt Claudia Kleemann

An allen Gehegen befinden sich Tafeln mit Informationen über die jeweilige Art.

Der Park ist ganzjährig geöffnet, der Eintritt beträgt 10 € / pro Person, Kinder 8 € – ein sehr fairer Preis, da der Park rein privat finanziert wird und keinerlei staatliche Unterstützung erhält.

Mich hat der Park absolut überzeugt, ich werde ihn sicherlich noch einmal besuchen und kann den Besuch nur empfehlen.

Weitere spannende Informationen über Ausflugsmöglickeiten auf Kreta findest Du hier

(Claudia Kleemann)