Ein Erlebnisbericht unserer Gast-Autorin Claudia Kleemann (PhotoArt):

Arkadi, das historische Kloster auf Kreta, gilt als heiligstes Symbol des Kampfes der Kreter für ihre Freiheit. Die tragische Schlacht von 1866 gegen die Osmanen war der Weg zur Befreiung der Insel, die im Jahre 1898 erfolgte. Die UNESCO bezeichnet das Kloster Arkadi als Europäisches Freiheitsdenkmal. Es befindet sich etwa 25 Kilometer südlich der Stadt Rethymnon auf 500 Meter Höhe. Die Klosterkirche war bis zur Einführung des Euro auf dem 100-Drachmen-Schein abgebildet.

Nach der Überlieferung wurde das Kloster Arkadi vom Byzantinischen Kaiser Arcadius im 5. Jahrhundert erbaut. Wissenschaftler gehen jedoch von der Gründung durch einen gleichnamigen Mönch aus. Durch eine Inschrift ist dessen Existenz mindestens für das 14. Jahrhundert belegt. Unter der venezianischen Herrschaft Kretas wurde 1587 die zweischiffige Basilika, die auch Renaissance-Elemente ausweist, errichtet und ist der Wiederaufbau einer früheren Kirche. Bis in das 17. Jahrhundert hinein erlebte das Kloster dabei seine geistige und kulturelle Blütezeit.

Osmanische Herrschaft

1669 Kreta geriet Kreta vollständig unter osmanische Herrschaft. Das Läuten von Glocken in allen Kirchen und Klöstern wurde daraufhin verboten und das Kloster geplündert. Nachdem die Mönche den Pascha mit Geschenken überhäuft hatten, erhielten sie das Recht, nach Arkadi zurückzukehren und wieder die Glocke zu läuten. Sie erneuerten anschließend das Kloster und bauten die zerstörte Einfriedung wieder auf.

Über den Mauern des Klosters Arkadi ©PhotoArt Claudia Kleemann

Das Osmanische Reich sprach 1830 einem Teil des heutigen Staatsgebietes Griechenlands die Unabhängigkeit zu. Auf Kreta verstärkte sich daraufhin der Widerstand gegen die als Besatzung empfundene osmanische Herrschaft. 1866 bildete sich im im Kloster Arkadi ein Revolutionskomitee, zu dessen Vorsitzenden man den aus Margarites stammenden Abt von Arkadi – Gabriel Marinakis – wählte. Im gleichen Jahr wurde auch der vom griechischen Festland entsandte General Panos Koronais als militärischer Kommandant des Aufstandes in der Region Rethymnon eingesetzt. Der General beurteilte das Kloster als nicht zu verteidigen, konnte sich mit dieser Auffassung gegen die Mehrheit des Revolutionskomitees jedoch nicht durchsetzen. Daraufhin verließ er mit seinen Männern das Kloster, ließ jedoch einen Leutnant als militärischen Anführer zurück.

Die Nacht der Helden

In der Nacht vom 7. auf den 8. November 1866 griff das osmanisches Heer mit 15.000 Soldaten das Kloster an. Dort hielten sich 964 Menschen auf, darunter 325 kampftaugliche Männer. Es war ein aussichtsloser Widerstand und nach zwei Tagen entschieden die Belagerten, dem Gegner nicht lebend in die Hände zu fallen. Am 9. November erreichten die Osmanen den Innenhof des Klosters. Die meisten der noch Lebenden, einschließlich der Frauen und Kinder, zogen sich daraufhin in das Pulvermagazin zurück. Einer der Kämpfer sprengte das Kloster – mit allen darin befindlichen Menschen ebenso wie mit den eigedrungenen osmanischen Invasoren. Bei der Belagerung des Klosters Arkadi sollen 1.500 Angreifer gestorben sein. Der Abt lebte vermutlich bis in die Endphase des Kampfes, bis er bei der Sprengung selbst den Tod fand.

Gedenken an die Freiheitskämpfer

Eine Gedenktafel von 1937 erinnert an die Vorkommnisse von 1866. Die Platte ist heute im teilweise wieder errichteten Pulvermagazin aufgestellt.

„Diese Flamme, die in dieser Krypta entfacht wurde und das ruhmreiche Kreta von einem Ende zum anderen erleuchtete, war eine Flamme Gottes, in der die Kreter für die Freiheit verbrannten.“

Im Gedenken an die kretischen Helden ©PhotoArt Claudia Kleemann

Der Pascha glaubte, dass sein Sieg die Rebellen auf Kreta stoppen würde, lag mit dieser Einschätzung jedoch gänzlich falsch. Durch diesen, einen der größten Massenselbstmorde der Weltgeschichte, kam die Besetzung von Kreta in die internationale Weltpresse. Die europäischen Großmächte tolerierten die türkische Besatzungsmacht auf Kreta nicht länger. Nach langen Verhandlungen und Konflikten wurde Kreta schließlich 1898 endgültig unabhängig. Der Tag des Selbstmords im Kloster Arkadi, der 9. November, ist im heutigen Kreta ein wichtiger Feiertag. Er wird als der Beginn der Befreiung der Insel von der Herrschaft der Türken angesehen. Für innergriechische Touristen ist das Kloster Arkadi die bekannteste Sehenswürdigkeit auf Kreta.

Arkadi heute

Das Kloster ist auch heute noch von Mönchen bewohnt und kann täglich besichtigt werden.

In den Gärten Arkadis ©PhotoArt Claudia Kleemann

Neben der interessanten Geschichte und den alten, wunderbar restaurierten Gebäuden, sind die liebevoll angelegten Gärten des Klosters eine besondere Augenweide. Hier finden sich zahllose Fotomotive als Erinnerung an die Geschichte der Befreiung. Auch ein kleines Museum und ein Andenkenladen befinden sich im Kloster. Gegenüber des Eingangs erinnert ein Helden-Mahnmal an die tragischen Vorkommnisse. In seinem Inneren werden die Gebeine der Toten aufbewahrt.

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(C.K.)