Eins vorweg: Die auf Kreta lebenden Eidechsen sowie die ausgesprochen scheuen vier Schlangenarten sind für den Menschen allesamt ungefährlich. Also keine Panik, wenn Du beim Wandern oder beim Baden in einem Gebirgsbach mal eine Schlange zu Gesicht bekommst.

Schlangen

Europäische Katzennatter

Gut getarnt: die Europäische Kreuznatter ©PhotoArt Claudia Kleemann

Die einzige Giftschlange auf Kreta ist die Europäische Katzennatter. Ihr griechischer Name „agiofido“ bedeutet „Heilige Schlange“. Die Natter wird im Durchschnitt 80 Zentimeter lang. Das Tier ist grau bis graubraun und hat auf dem Rücken dunkle, rechteckige Flecken. Da die Schuppen sehr glatt sind, wirkt die Natter glänzend. Der Kopf zeigt sich flach und oval.

Die Europäische Katzennatter lebt in steinigen, gut besonnten und mit Buschwerk versehenen Hängen ebenso wie auch in einer Höhe bis zu 1500 Metern. Das dämmerungs- und nachtaktive Tier bewegt sich schleichend auf der Suche nach Nahrung, wie Eidechsen, Geckos und Kleinsäugern (hauptsächlich Mäuse). Tagsüber verstecken sich die Katzennattern in Felsspalten oder brüchigem Mauerwerk. Nach dem Fang eines Beutetieres wird dieses solange mit den Kiefern gehalten, bis das Gift im hinteren Kiefernbereich die Beute tötet oder lähmt. Die kurzen Giftzähnchen der Katzennatter liegen so weit hinten im Rachen, dass sie für Menschen ungefährlich sind. Außerdem ist das Gift sehr schwach.

Leopardnatter

Die wohl hübscheste Schlange Kretas ist die ungiftige Leopardnatter (Titelbild). Sie lebt bevorzugt in einer Höhe von bis zu 600 Metern. Sie liebt die Sonne und ein deckungsreiches, steiniges Umfeld, wobei sie aber auch die Nähe von Bächen sucht. Die Schlange ist tag- und dämmerungsaktiv. Ihr Äußeres hat Ähnlichkeit mit der Fellzeichnung eines Leoparden – daher auch ihr Name. Ihre rotbraunen Flecken auf grau-gelblichem Hintergrund sind schwarz umrahmt. Das Tier wird bis zu einem guten Meter lang.

Die Leopardnatter ernährt sich hauptsächlich von Insekten, jungen Mäusen und Eidechsen. Die Jungtiere schlüpfen nach ungefähr 65 Tagen im August und September. Bereits Anfang Oktober beginnt für die ersten Tiere die Winterruhe (auf Kreta ein etwas überraschender Begriff), welche bis in den März andauert.

Die Leopardnatter gehört zu einer der streng geschützten Arten der Europäischen Union, deren Mitgliedsstaaten besondere Schutzgebiete ausweisen müssen.

Balkan-Zornnatter

Gar nicht so übellaunig wie ihr Name: die Zornnatter ©PhotoArt Claudia Kleemann

Die erwachsene Zornnatter ist kräftig und schlank mit hoch gewachsenen Kopf und kann bis zu einem Meter lang werden. Die Farben der Balkan-Zornnatter variieren zwischen braunen, rotbraunen, gelben und grauen Tönen, die mit dunklen Flecken meist im vorderen Körperteil versehen sind. Zum Schwanz hin verschmelzen sie in einer Streifenzeichnung. Jedoch gibt es auch Exemplare ohne jegliche Zeichnung. Die Jungtiere zeigen sich meist deutlich kontrastreicher als die ausgewachsenen Tiere.

Die Balkan-Zornnatter lebt in einer Höhe bis zu 1.500 Metern und bevorzugt trockenes, steiniges Gelände mit niedrigem Bewuchs, wie beispielsweise Macchia unter lockerem Olivenbaumbewuchs. Wie ihr Name schon sagt, findet man sie auf dem gesamten Balkan, aber auch auf einigen griechischen Inseln. Auf dem Speiseplan der Zornnatter stehen bevorzugt Eidechsen, aber auch große Insekten und kleinere Säuger werden nicht verschmäht.

Würfelnatter

Gespenstisches Äußeres: die Würfelnatter ©PhotoArt Claudia Kleemann

Würfelnattern sind schlank und seitlich etwas „abgeflacht“. Die Tiere werden 80 Zentimeter bis 1,20 Meter lang, wobei die weiblichen Tieren in der Regel größer sind. Die Färbung der Tiere ist regional sehr unterschiedlich. Sie variiert zwischen verschiedenen Grau-, Braun- und Olivtönen und kann sehr hell bis sehr dunkel wirken. Das Muster weist zumeist einige Reihen quadratischer Flecken auf, was für die Namensgebung dieser Schlange verantwortlich ist. Der Bauch der Würfelnattern ist weiß bis gelb gefärbt und zeigt ebenfalls ein dunkles Würfelmuster. Ein weiteres Merkmal sind die runden Pupillen der Schlange.

Die Würfelnatter findet man vorzugsweise im Bereich von Seen und Bächen, deren Ufer üppig bewachsen sind, wie beispielsweise am Kournas See. Kleine Mauern mit Spalten oder Schotter mit guten Besonnungsmöglichkeiten sind unabdingbar für die Tiere. Die Würfelnattern können hervorragend schwimmen und verbringen sehr viel Zeit im Wasser. Dieses verlassen sie nur zum Sonnenbaden, zur Fortpflanzung und zur Überwinterung. Die hauptsächliche Nahrung der tagaktiven Schlange sind kleine Fische.

Eidechsen

Auf Kreta sind die flinken vollkommen ungefährlichen Eidechsen überall anzutreffen. Zwei Eidechsenarten sind endemisch, das heißt, nur auf Kreta anzutreffen.

Kreta-Mauereidechse

Diese meist zwischen 16 und 22 cm große Art (wobei 2/3 der Länge auf den Schwanz entfällt) findet man im westlichen Drittel Kretas und auf einigen vorgelagerten Inselchen im Osten Kretas. Diese Art zeigt sich auf Kreta sehr variabel.

Die Tiere sind sehr hübsch gezeichnet, die Grundfarbe der Männchen ist grün-grau und hat hellere Längslinien sowie schwarze Flecken. Besonders eindrucksvoll sind die strahlend blauen Flecken an den Bauchseiten, die meist zur Paarungszeit am strahlendsten leuchten. Die Weibchen dagegen sind unscheinbar bräunlich-grau. Jungtiere zeigen einen leuchtend bläulichen Schwanz auf, die Intensität der Färbung verblasst bei älteren Tieren. Mauereidechsen legen im Hochsommer ihre Eier in Erdlöchern oder zwischen Steinen ab und überlassen sie dort sich selbst.

An den Südhängen der „Weißen Berge“ leben die größeren Exemplare der Kreta-Mauereidechsen. Ihr Rücken ist oliv bis hellrötlich-grau gefärbt, die Männchen zeigen leuchtend blaue Flecken an den Flanken.

Die Kreta-Mauereidechse lebt bis auf einer Meeresspiegelhöhe von 2.000 Metern, bevorzugt in der Nähe von Feuchtgebieten mit dichtem Buschbewuchs. Auf der vorgelagerten Insel Paximadia vor der Nordostküste schätzt man den Bestand auf etwa 25.000 Tiere.

Die Kreta-Mauereidechse wird als stark gefährdet angesehen, obwohl sie punktuell häufig anzutreffen ist. Ihr kleines Verbreitungsgebiet sorgt dafür, dass sie sehr anfällig gegenüber Veränderungen ist.

Riesensmaragdeidechse

Ebenso scheu wie schön: Smaragdeidechse @Lothar Heber

Auf Kreta lebt eine Unterart der Riesensmaragdeidechse. Wenn man sie zu Gesicht bekommt, lässt sie sich gut beobachten – jedoch sind die Tiere sehr scheu und ausgesprochen flink. Oft sieht man sie nur auf dem heißem Asphalt vorbeihuschen oder sich in erhöhter Position auf Büschen sonnen.

Das Tier erreicht eine imposante Körperlänge von über 15 Zentimetern ohne Schwanz, was eine Gesamtlänge von über einem halben Meter ausmacht . Die Riesensmaragdeidechse verfügt über eine kräftige Statur. Ihr Körper ist leuchtend grün, was sie unverwechselbar gegenüber anderen Eidechsen macht. Die Jungtiere sind dagegen bräunlich mit hellen Längslinien.

Im Vorfrühling kämpfen die Männchen heftig um die Gunst der Weibchen. Die Gelege umfassen durchschnittlich zehn Eier, die vom Weibchen vergraben werden. Die Jungtiere schlüpfen zwischen Juli und September.

Zur bevorzugten Beute der Smaragdeidechsen gehören Heuschrecken, Zikaden, Spinnen und Schnecken, aber auch junge Mäuse werden nicht verschmäht.

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(Claudia Kleemann)