Die kretische Flora gehört zu den artenreichsten Ökosystemen Europas. Es finden sich zahlreiche endemische Pflanzen, was bedeutet, dass diese Pflanzen nur auf Kreta beheimatet sind. Kretas Kräuter und Gewürze werden auch heute noch als wirksame Heilpflanzen eingesetzt. Zudem nutzt man einige von ihnen in der Duftindustrie und aus der kretischen Küche sind die meisten Kräuter ohnehin nicht wegzudenken.

Fast alle Kräuter findet man wild wachsend in den Bergen Kretas. Erfahrene Sammler pflücken, trocknen und veräußern sie verpackt ohne weitere Behandlung. Für viele Touristen sind diese Kräutersäckchen ein beliebtes Souvenir. Man kann sie in diversen Geschäften oder auf den Wochenmärkten erwerben.

Wer sich gut auskennt, kann auch eigenständig auf Kräutersuche gehen. Allerdings ist Vorsicht geboten, da es viele giftige Pflanzen gibt, die den gesunden Kräutern und Gewürzen sehr ähnlich sehen. In den Nationalparks, wie zum Beispiel in der Samaria Schlucht, ist das Sammeln von Kräutern jedoch verboten.

 

Dostgewächse

Oregano (auch wilder Majoran genannt)

In voller Blüte: Oregano ©PhotoArt Claudia Kleemann

Oregano gehört zur Familie der Lippenblütler und ist eine mehrjährige Pflanze, die sich unter anderem durch Rhizome vermehrt. Er ist im gesamten Mittelmeerraum beheimatet. Als Würzzutat für schmackhafte Salate sowie in Lamm- und Gemüsegerichten findet Oregano erst seit 200 Jahren Verwendung.

Oregano verfügt über einen Blütennektar, der bis zu 75 Prozent Zucker enthält. Das hat zur Folge, dass die Blüten überaus gern von Honigbienen aufgesucht werden, auch viele Schmetterlinge können diesen Blüten nicht widerstehen. Das unterstützt die Verbreitung der Pflanze durch die Bestäubung der Insekten.

Heilwirkung

Oregano hilft gegen viele Wehwehchen, beispielsweise gegen Fieber, Hautprobleme, aber auch gegen Erbrechen und Durchfall. Darüber hinaus wirkt er schleimlösend und ist somit auch bei Husten und Atemwegbeschwerden einsetzbar.

Die ätherischen Öle haben eine antibiotische Wirkung. Sie lindern auch rheumatische Schmerzen. Außerdem sollen sie durch ihre belebende Wirkung gegen Depressionen und Melancholie helfen.

5 bis 10 Tropfen des ätherischen Öles in einer Tasse Wasser aufgelöst lindern als Spülung Zahnschmerzen.

Durch seine fungiziden Inhaltsstoffe, wie beispielsweise Rosmarinsäure oder Thymol, und seine Antioxydantien soll Oregano hemmend auf die Vermehrung von Krebszellen wirken. Oregano verfügt darüber hinaus über einen sehr hohen Vitamin C-Gehalt.

Der legendäre Hippokrates verwendete zu seiner Zeit Dost zur Geburtsbeschleunigung und zur Heilung von Hämorrhoiden.

 

Majoran

Majoran gehört wie Oregano zur Familie des Dost und ist ebenso ein Lippenblütler. Die Wildform stammt aus Kleinasien, er wird aber ebenso in Gärten kultiviert angepflanzt und gilt als Gewürzpflanze. Er liebt milde Winter und heiße Sommer.

Der sehr würzige Majoran hat einen hohen Anteil an ätherischen Ölen. Die Blätter des Strauches können frisch oder getrocknet zum Abschmecken von Kartoffelgerichten, Suppen, Soßen, Würsten und Hülsenfrüchten verwendet werden. Auf Kreta gehört Majoran übrigens in jede Bratwurst.

Heilwirkung

Majoran-Tee, auch als Mixtur mit anderen kretischen Berg-Tees, gilt als Wundermittel bei Bronchitis und sonstigen Atemwegerkrankungen. Ansonsten hat er ähnliche positive Heilwirkungen wie Thymian, hilft bei Kopfschmerz, neurologischen Erkrankungen, Schwindelanfällen und Seekrankheit.

Für Aphrodite, die Griechische Göttin der Liebe und Schönheit, war Majoran das Symbol der Glückseligkeit. Auch heute ist daher noch üblich, dass man frisch vermählte Paare mit Girlanden aus Majoran schmückt. Auch Hymenaios, der griechische Gott der Hochzeit, wird oft mit einem Majoran-Kranz dargestellt.

 

Diptam-Dost

Die Universal-Arznei: Diptam-Dost ©PhotoArt Claudia Kleemann

Das bei den Kretern wohl beliebteste Heilkraut ist der Diptam-Dost, auch „Kretischer Diptam“ genannt. Er gehört, ebenso wie Oregano und Majoran, ebenfalls zur Pflanzengattung Dost. Der Diptam-Dost wächst endemisch auf Kreta. Man findet ihn bis zu einer Höhe von 1.900 Metern auf Felsen und in Schluchten, dabei zumeist in Schattenlagen. Charakteristisch ist der pelzige Flaum auf den Blättern. Der Diptam-Dost wird ca. 40 Zentimeter hoch und blüht von April bis Juni in rosa bis hin zu violett-roten Farben.

Die Pflanze gilt als gefährdet, da zu viele Wildbestände wegen ihrer heilenden Wirkung gesammelt werden. Daher hat man sie mittlerweile kultiviert.

In Geruch und Geschmack ähnelt Diktam dem Wilden Majoran/Oregano.

Heilwirkung:

Die griechischen Ärzte der Antike glaubten, dass Diktam alle Krankheiten heilen könne. In Vergils Aeneis heilt Venus mit Diktam-Aufgüssen den trojanischen Helden Aeneas. Aufgüsse von Diktam in Wasser oder Wein sollen auch die Geburt erleichtern.

Diktam gilt auch heute noch als Universal-Heilkraut. Aufgüsse von Diktam sollen die Wundheilung fördern, Tee von Diktam Verdauungsprobleme lindern.

Das Wundermittel gegen beinahe alles

Diptam-Dost als Tee zubereitet wird heutzutage hauptsächlich bei bakteriell verursachten Krankheiten angewandt, wie zum Beispiel Halsweh, Husten, Rachenentzündung, Magen-Darm-Infekte oder Hautentzündungen. Frische Diptamblätter wendet man bei Zahnschmerzen, Zahnfleischentzündungen oder Menstruationsbeschwerden an.

Bei äußerlicher Anwendung benutzt man Umschläge oder einen Sud, der beispielsweise bei Rheumaschmerzen helfen soll.

Der Grund für die antibakterielle Wirkung des Diptams liegt im Carvacrol, einem Bestandteil des ätherischen Öls. Den höchsten Gehalt der arzneilich bedeutsamen Inhaltsstoffe weist Diptam-Dost in der Zeit kurz vor der Blüte auf. Zu diesem Zeitpunkt sollten die frischen Triebe geerntet werden.

Diktam und seine Mischungen mit anderen Kräutern, wie zum Beispiel dem Salbei, kann man heute überall auf der Insel Kreta erwerben. Als „Kretischer Berg-Tee“ werden viele dieser Diktam-Kräutermischungen exportiert.

Claudia Kleemann