Foto: K. Rohrer Kohnle Stoltenfuss

Das sowohl prominente als auch geschichtsträchtige Dorf Matala liegt an der Südküste Kretas. Vom Flughafen Heraklion aus benötigt man eine gute Stunde, um den Ort zu erreichen. Die bekanntesten Attraktionen sind die Matala Höhlen, die Jahr für Jahr Touristen aus aller Welt anlocken.

Spuren vergangener Zeiten

Der Legende nach soll Zeus, der sich zuvor als Stier verwandelt hatte, mit der von ihm entführten Europa bei Matala aus dem Meer gestiegen sein. Die Archäologie geht davon aus, dass die imposanten Höhlen bereits seit der Steinzeit existieren. Sie wurden in den Fels geschlagen, um Schutz für deren „Erbauer“ bieten zu können. Später, während der römischen Epoche, wurden sie als Grabhöhlen genutzt.

Matala, die Hippie-Hochburg der 60er Jahre

Foto: A. Upphoff

Ungeachtet der bewegten Vergangenheit entdeckten Hippies in den 60er Jahren Matalas Höhlen für sich. Dies sorgte dafür, dass der Ort bekannt wurde. Aussteiger, Lebenskünstler und Blumenkinder, die das einfache Leben suchten, fanden hier den Kontrast zu einer sich zunehmend modernisierenden Welt. Ohne fließendes Wasser und ohne Strom gaben sie sich ihrem alternativen Lebensstil hin. Die Kreter nahmen sie freundlich auf, trotzdem FKK und freie Liebe nicht gerade zu den favorisierten Umgangsformen der Anwohner gezählt haben durften. Auch viele amerikanische Aussteiger, die dem Vietnam-Krieg entgehen wollten, zelebrierten hier ihr Motto „Make Love, not War“. Dass Matala eine große Anziehungskraft auf die Hippiebewegung besaß, wird durch den Fakt belegt, dass Musikgrößen wie Cat Stevens, Bob Dylan, Janis Joplin, Joan Baez und Joni Mitchell hier zeitweise gelebt haben.

Abruptes Ende der Hippie-Ära

Die Zeit der Hippies auf Matala endete abrupt in den 70er Jahren während der der griechischen Diktatur. Kirchliche Würdenträger vertrieben die Hippies aus dem Ort und die Höhlen wurden von Archäologen versiegelt. Somit waren sie für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich.

Foto: T. Koroll

Nachdem der Ort in einen Jahre andauernden Dornröschenschlaf verfallen war, entwickelte sich Matala in den letzten zwei Jahrzehnten rasant zu einer Touristenhochburg. Dort, wo zum Ende des letzten Jahrhunderts noch Natur und Beschaulichkeit vorherrschte, entstanden moderne Hotels und große Parkplätze. Inzwischen wird auch der Strand bewirtschaftet. Viele Tavernen und Bars laden die Besucher zum ausgiebigen Verweilen ein. Trotz aller Modernisierungen ist der Geist der 60er und ein wenig vom Hippieflair noch immer geblieben. Überall kann der interessierte Besucher bunte Malereien entdecken. In jedem Souvenierladen kann man Peace-Zeichen und Blumenkränze erwerben, jedes Jahr findet das Matala Beach-Festival mit vielen Musikern statt.

Mittlerweile stehen Matalas Höhlen unter dem Schutz der Regierung. Gegen Entgelt kann man sie heutzutage besichtigen, aber natürlich ist das Übernachten untersagt. Der fantastische Blick aus den Höhlen auf die Libysche See und die vorgelagerten Inseln Paximadia lässt erahnen, warum die Hippie-Kommune diesen Ort einst so geliebt hat.

Foto: T. Kroll

Nach Paximadia werden Bootausflüge angeboten. Von Matala aus können historisch Interessierte die nur eine gute halbe Stunde entfernte Ausgrabungsstätte des Palastes von Phaistos besichtigen. Auch die malerische Hafenstadt  Agia Galini ist nur etwa eine halbe Stunde entfernt.

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(Claudia Kleemann)