Während Bayern München und Paris St. Germain von ganz Europa bejubelt werden, findet der wahre Freudentaumel in der Welt des Fußballs ganz woanders statt: Auf Kreta. Und hier geht es nicht um die höchste Trophäe des europäischen Ballsports, sondern um den Aufstieg in die 2. Liga von – OFI Ierapetra. Wie bitte, das soll einen Bericht Wert sein? Oh ja, denn dieser Aufstieg wurde erst am grünen Tisch verhindert, bevor er genau dort wieder beschlossen wurde. Die Nachricht über den Aufstieg von OFI Ierapetra führte zu Hupkonzerten und spontanen Tanzeinlagen auf den Straßen.

Einführung der „Football League“ unverständlich

Drehen wir die Stadionuhr einige Jahre zurück. Griechenlands Fußball, nach der Zeit von Otto Rehagel kaum noch mit internationalem Niveau, experimentierte mit diversen Ideen, um das System der nationalen Ligen zu modernisieren. Eine der Folgen war, dass kurzerhand zwischen der zweiten und der dritten Liga eine „Football League“ eingebaut wurde, die landesweit ausgespielt werden sollte. Schnell zeigten sich die ersten Probleme: Die Spieler, die durchweg keine Profi-Verträge hatten, mussten von nun an viel reisen, um ihren sportlichen Verpflichtungen nachzukommen. Dass dies nicht im Sinne ihrer Arbeitgeber war, liegt auf der Hand.

Noch härter traf es die Vereine, die durch die Einführung der „Football League“ nicht direkt in die zweite Liga aufgestiegen waren, obwohl sie eigentlich einen Aufstiegsplatz erkämpft hatten. Anstatt sich nun in der zweithöchsten Spielklasse mit anderen Vereinen zu messen, spielten sie Woche für Woche in einer Liga, die es wenige Monate zuvor noch gar nicht gab. Und die auch niemand vermisst hatte.

Als alles gut lief, kam der Lockdown

Und da kommt OFI Ierapetra ins Spiel. In den zurückliegenden Jahren hatte es die Mannschaft durch hervorragende Nachwuchsarbeit und zusätzliche Gelder geschafft, jährlich in die jeweils nächsthöhere Spielklasse aufzusteigen. So hatte man das Kunststück fertiggebracht, letztes Jahr den direkten Aufstieg in die 2. Liga und damit in den bezahlten Fußball zu erkämpfen. Wenn da nicht Tsipras mit seiner Idee der „Football League“ um die Ecke gekommen wäre… Die Mannen von OFI Ierapetra schlugen sich trotzdem tapfer durch die neue Liga. Schließlich hatte man den vierten Tabellenplatz erreicht. In diesem Moment kam der Lockdown und die Saison wurde abgebrochen. Was für eine Enttäuschung für Spieler und Anhänger des Clubs.

Gestern dann die Überraschung: Der griechische Fußballverband EPO entschied, dass die ersten vier Mannschaften der Football League direkt in die zweite Liga aufsteigen – also auch OFI Ierapetra. Diese verspätete Genugtuung reichte aus, um Freudentänze in den Straßen der Stadt zu entfachen. Gerechnet hatte schließlich kaum noch einer mit dieser Entwicklung.

Der U-17 Nachwuchs von OFI Ierapetra bereitet sich auf die zweite Liga vor

Nun verfügt Kreta also neben dem Erstligisten OFI Kreta (OFI bedeutet übrigens so viel wie „Verein der Sportfreunde“) aus Heraklion und zwei weiteren kretischen Vereinen über einen weiteren verheißungsvollen Club im bezahlten Fußball. Und wenn die Aufstiegsambitionen von OFI Ierapetra sich weiter fortsetzen, dann können sich die Freudenfeste in der der südlichsten Stadt Europas in den kommenden Jahren gerne wiederholen. Wir drücken die Daumen!

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(LaK)

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