Weitgehend unbemerkt blieb der hervorragende Umgang Griechenlands mit der Covid-19-Krise in der Anfangsphase. Dass dies möglich war, ist umso erstaunlicher, da das Land gerade erst aus der jahrzehntelangen Schuldenkrise hervorging.

Die Regierung von Premierminister Kyriakos Mitsotakis reagierte trotz der schwierigen Voraussetzungen zeitnah, als die ersten Anzeichen für die Ausbreitung des Virus auftraten. So verhängte man Verordnungen, nach denen Schulen geschlossen und nicht wesentliche Unternehmen ihre Tätigkeit bereits im Februar einstellen mussten. Dies geschah einige Tage bevor der erste Tod, der COVID-19 zugeschrieben wird, registriert wurde. Ende Juli hatte Griechenland etwas mehr als 4.700 Fälle und 210 Todesfälle verzeichnet, eine vergleichsweise geringe Quote.

Weitere Herausforderungen fĂĽr die Politik

Die wirklichen Herausforderungen kommen erst noch auf Griechenland zu: Die Folgen der enttäuschenden Sommersaison sowie die Verringerung der Abhängigkeit vom Tourismus, die Verfolgung eines ehrgeizigen Reformprogramms und die Gewinnung privaten Kapitals gehören zu den zahlreichen Prioritäten auf der Tagesordnung der Regierung. Dabei gilt es, das Reformprogramm und die Entwicklungsprojekte angesichts eines äußerst unsicheren Umfelds aufrechtzuerhalten.

Es ist etwas mehr als zwei Jahre her, dass Griechenland angesichts seines BIP-Wachstums und der Dynamik seiner Wirtschaft seinen Übergang vom fragilsten zu einem der solidesten europäischen Länder bewerkstelligt hatte. Ausschlaggebend dafür war, dass die Regierung die dringend benötigten Reformen, Steuersenkungen und ehrgeizigen Entwicklungspläne umgesetzt hatte, die sie versprochen hatte. Dieses ideale Szenario verschwand plötzlich, als die COVID-19-Krise Premierminister Mitsotakis zu außergewöhnlichen Maßnahmen zwang. Für ein Land wie Griechenland kann eine solche Krise die künftigen Wachstumsaussichten ernsthaft gefährden, auch wenn man seine zugegebenermaßen dynamische, aber fragilen Erholung beendet hatte.

Der Tourismus als Achillesferse

Als Achillesferse Griechenlands könnte sich der Tourismus erweisen. Zwischen einem Viertel und einem Drittel des Bruttoinlandsproduktes des Landes stammen direkt oder indirekt aus dem Tourismus. Auf Kreta zeigt sich diese Zahl noch wesentlich höher. Enorme Auswirkungen auf den Tourismus werden ohne Zweifel die Grenzschließungen und das Stoppen internationaler Flüge haben. Griechenland hat alles getan, um die Sommersaison 2020 so „offen“ wie möglich zu gestalten. Es steht aber zu befürchten, dass diese Bemühungen nicht ausreichen. Immerhin betrug der Passagierverkehr im Juli nur 15-25% des Niveaus von Juli 2019. Darüber hinaus beschlossen einige Hotels, diese Saison gar nicht erst zu eröffnen.

Die griechische Regierung wird oft als eine der pragmatischsten und effizientesten der Welt gelobt. Und so weiß sie auch in diesem Fall, wie sie diese Krise sinnvoll nutzen kann. Zum einen hat man bewiesen, dass man in der Lage ist, sich einer extremen Situation zu stellen. Die Schlüsselfaktoren dafür waren eine schnelle und effektive Reaktion, die starke Struktur des Krisenmanagement-Teams und die transparente Kommunikation mit der Bevölkerung.

Darüber hinaus nutzte die Regierung diese Gelegenheit, um das lang erwartete Projekt zum digitalen Übergang von KMU und Staat innerhalb weniger Wochen zu beschleunigen. Über einen einzigen Zugangspunkt können KMU jetzt von technologisch fortschrittlichen Unternehmen genau lernen, wie sie ihr Online-Marketing verwalten. In der Praxis bedeutet das, dass die Menschen nun online notarielle Dokumente und medizinische Rezepte erhalten. Die griechischen Arbeitnehmer lernten ausgesprochen schnell, aus der Ferne zu arbeiten und digitale Kommunikationsmittel zu verwenden. Diese Bemühungen zur Gewährleistung des digitalen Übergangs Griechenlands werden dazu beitragen, Unternehmen anzuziehen, die ihren Hauptsitz in Südeuropa errichten möchten.

Politik nimmt Finanzverantwortung wahr

 Im Rahmen des von der EU vereinbarten Sanierungsplans hat Griechenland kürzlich für 750 Milliarden Euro eine Zuweisung von 72 Milliarden Euro, einschließlich Subventionen in Höhe von 32 Milliarden Euro, erhalten. Diese Subventionen machen über 17% des BIP des Landes aus. Das ist der höchste Anteil unter den EU-Ländern.

Premierminister Mitsotakis hat bereits einen Lenkungsausschuss eingerichtet, der einen Plan aufstellen soll, um das Beste aus diesem neuen Geld herauszuholen. DarĂĽber hinaus wurde das BĂĽro des Premierministers ĂĽberarbeitet, um die Effizienz der Regierung bei der Verwaltung der EU-Mittel zu steigern. SchlieĂźlich wird das Land auch wertvolle Lehren aus dem Bericht des Pissarides-Komitees (eines Komitees unter Vorsitz des zyprischen Nobelpreisträgers fĂĽr Wirtschaftswissenschaften, Sir Christopher Pissarides) ziehen. Dieser Bericht zielt darauf ab, „eine systematische Einkommenssteigerung zu fördern, die Produktivität, Beschäftigung und Investitionen erhöht“.

Allgemein bleibt festzustellen: Griechenland hat es hervorragend geschafft, die Pandemie auf seinem Territorium zu kontrollieren. Ausschlaggebend dafür war, dass die richtigen Entscheidungen getroffen und unverzüglich umgesetzt wurden. Die professionelle Bewältigung der Krise wird höchstwahrscheinlich in vielen Bereichen der Wirtschaft spürbar sein. Das wiederum stärkt die Glaubwürdigkeit Griechenlands und liefert den Beweis, dass man aus Krisen gestärkt hervorgehen kann.

(LaK)

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