Das amerikanische Kriegsschiff „USS Hershel Woody Williams“ ist auf Kreta eingetroffen. Derweil eskalieren die Spannungen zwischen den NATO-Verbündeten Griechenland und der Türkei bezüglich der Energierechte im östlichen Mittelmeer. Die Anwesenheit des Schiffes ist eine Reaktion auf die türkische Fregatte, die das Forschungsschiff „Oruc Reis“ begleitet. Die „Oruc Reis“ war von Ankara in die Region geschickt worden, um unterseeisches Öl und Gas zu suchen. Dabei kollidierte sie am 12. August mit einem griechischen Schlachtschiff, was die Gefahr einer sich anbahnenden Krise auf See erhöhte. Nach dem Zwischenfall hat der türkische Präsident Erdogan gedroht, Gewalt gegen jeden griechischen Versuch anzuwenden, das türkische Foschungsschiff oder eines der fünf weiteren Schlachtschiffe zu blockieren.

Die „USS Hershel Woody Williams“ folgt der Entsendung französischer Streitkräfte in die Region, die Griechenland in der Krise militärisch unterstützen. Das 230 Meter lange Schiff, etwa so groß wie ein Wolkenkratzer, befand sich zuvor in Neapel zu einem routinemäßigen Logistikstop, bevor es nach Kreta fuhr.

Noch kein Einsatzbefehl

„Wir beteiligen uns nicht an dieser Pattsituation, und die USS Hershel Woody Williams wurde nicht entsandt, um einzugreifen“, sagte Kommandant Kyle Raines, Presseattaché der Sechsten US-Flotte. Allerdings lässt er weitere Optionen offen. Sollte sich die Lage zwischen den beiden NATO-Verbündeten verschlechtern und die Entscheidungsträger in Washington beschließen zu handeln, könnte das Schiff eingreifen.

„Die USS Hershel Woody Williams ist sehr flexibel und kann in einem breiten Spektrum militärischer Operationen zur Unterstützung nationaler Aufgaben eingesetzt werden“, sagte Raines.

Militärexperten beschreiben die „USS Hershel Woody Williams“ als einen schwimmenden Stützpunkt. Sie ist die zweite einer neuen Klasse massiver Schiffe, die die US-Marine als schnelle Transport- und Unterstützungszentren für militärische Operationen einsetzt.

Internationaler Konflikt nimmt größere Ausmaße an

Die griechische Regierung bemüht sich seit Wochen, ihre Partner in der Europäischen Union davon zu überzeugen, Sanktionen gegen die Türkei zu verhängen. Darüber hinaus beunruhigt griechische Experten die wachsende Zahl von Kriegsschiffen, die sich im östlichen Mittelmeer versammeln. Hierzu zählt vor allem auch die Ankunft eines russischen Kriegsschiffes vor einigen Tagen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die derzeit den Vorsitz der rotierenden EU-Präsidentschaft innehat, versuchte jüngst, Athen und Ankara davon zu überzeugen, Verhandlungen über die widersprüchlichen Ansprüche beider Seiten auf Luft- und Seerechte in der Region aufzunehmen.

Ein absehbares Ende?

Bis zu diesem Zeitpunkt zögert Deutschland, harte Sanktionen gegen die Türkei zu unterstützen. Allerdings hat man der Regierung in Ankara geraten, die „Oruc Reis“ aus den umstrittenen Gewässern zurückzuziehen. Die Türkei erklärte daraufhin, dass sie die Vermessung der umstrittenen Region bis nächste Woche fortsetzen wird.

(LaK)