Die Eskalation zwischen der Türkei und Griechenland nimmt zunehmend bizarre Formen an. Noch am Donnerstagabend teilte Nato-Generalsekretär Stoltenberg in Brüssel mit, dass sich beide Nationen bereit erklärt hätten, Gespräche über eine Lösung des Streits um Gasvorkommen im Mittelmeer zu führen. Dabei sollten Mechanismen für eine militärische Entschärfung von Konflikten geschaffen werden, die das Risiko von Zwischenfällen und Unfällen verringen.

Seit der Entdeckung großer Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer gibt es zwischen Athen und Ankara heftigen Streit um deren Ausbeutung. Sowohl Griechenland als auch die Türkei erheben Anspruch auf die betreffenden Seegebiete. Das untermauern sie durch die Entsendung von Kriegsschiffen. Die Beziehungen zwischen den beiden Nato-Mitgliedsstaaten sind deshalb extrem angespannt. Insofern wurde die Meldung, dass beidseitig Gesprächsbereitschaft signalisiert wurde, mit viel Hoffnung aufgenommen.

 Alles wieder auf Anfang?

Gestern folgte überraschend der griechische Rückzieher zu den bekanntgegebenen Meldungen. Nach Angaben eines Regierungssprechers soll es nur dann Beratungen mit Ankara geben, wenn die Türkei alle Schiffe aus der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Griechenlands abzieht. Dazu sagte Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis: „Es sind sechs Wörter: Die Provokationen stoppen, die Gespräche starten.“

Die Stellungsnahmen der griechischen Regierung stehen im Widerspruch zu den Aussagen des Nato-Generalsekretärs Jens Stoltenbergs. Es wird sich in den kommenden Tagen zeigen, ob er vorschnell eine Einigung zur beidseitigen Gesprächsbereitschaft bekannt gegeben hat.

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(LaK)