Die Caretta Caretta (oder auch unechte Karettschildkröte genannt) gehört zur Gattung der Meeresschildkröten. Sie erreicht eine erstaunliche Länge von 110 Zentimetern bei einem Gewicht von 150 Kilogramm. Der Panzer der erwachsenen Tiere zeigt sich gelbbraun. Im Unterschied zu den „echten“ Karettschildkröten, die nicht im Mittelmeer leben, verfügt die griechische Spezies über einen dickeren Kopf und einen stärkeren Kiefer. Außerdem weist sie fünf anstatt der üblichen vier Paar Rippenschilder auf.

Ich habe diese faszinierenden Geschöpfe schon mehrfach vor Kreta im Meer, aber zum Teil auch in Hafenbecken (Bali und Sissi) schwimmen gesehen. Sie gleiten sanft und elegant durch das Wasser, tauchen immer wieder auf, um einen Atemzug zu nehmen, um dann wieder in der Tiefe des Meeres zu verschwinden. Sie in freier Wildbahn zu fotografieren ist recht schwierig, da sie sich so gut wie nie an derselben Stelle wieder zeigen. Darüber hinaus kann man sich ihnen nur schwer nähern, so dass man sie nur mit viel Glück porträtieren kann.

Geschöpfe aus der Urzeit

Ein entspannter Zeitgenosse – Caretta Caretta ©PhotoArt Claudia Kleemann

Die Caretta Caretta stammen von Land- oder Süßwasserschildkröten ab, die vermutlich im späten Paläozoikum, das war vor etwa 541 bis 252 Millionen Jahren, ihren Lebensraum vom Land zum Wasser gewechselt haben. Sie überlebten sogar das Dinosaurier-Sterben vor rund 66 Millionen Jahren, das durch einen gigantischen Asteroiden-Einschlag ausgelöst wurde.

Ihr Fleisch, ihre Eier, ihr Fett und ihr Schildpatt hat diese Schildkröte durch intensive Bejagung fast ihr Überleben gekostet. Auch die Vermüllung der Meere mit Plastik ist ein Grund für das Sterben dieser außergewöhnlichen Meeresbewohner. Da sie für ihr Leben gerne Quallen fressen, verwechseln sie diese häufig mit Plastiktüten und verenden elendig daran. Die einzigartige Meeresschildkröte ist nunmehr vom Aussterben bedroht und schon seit Jahren durch das Washingtoner Artenschutzabkommen unter internationalen Schutz gestellt.

Intensiver Schutz durch „Archelon“

In Griechenland und auf Kreta kümmert sich seit über 30 Jahren in erster Linie die Naturschutzorganisation „Archelon“  (www.archelon.gr) in Kooperation mit lokalen Behörden und Hoteliers um den Schutz und die Zukunft der Tiere, die die kretischen Strände zur Eiablage aufsuchen. Auch die Unterstützung von Touristen ist gefragt. Bekannte Brutregionen sind die Strände im Bereich der Präfektur Rethymnon, in Malia und um Chania, die Präfektur Heraklion und die Bucht von Messara (Südkreta).

Schlupf im Mondschein

In den Sommermonaten zwischen Juni und August kehren die ausgewachsenen Weibchen im Alter von etwa 18 bis 20 Jahren nachts an die Strände zurück, an denen sie selbst geschlüpft sind, um ihre Eier im warmen Sand abzulegen. Früher waren diese Strände einsam und dunkel, heutzutage sind sie oft bewirtschaftet und beherbergen hunderte Sonnenliegen und -schirme. Wenn man Nester im Sand entdeckt, so sollte man möglichst „Archelon“ in Kenntnis setzen, damit die Naturschützer die Gelege markieren und mit Käfigen schützen können.

Die Eier der Schildkröten werden vom warmen Sand ausgebrütet und nach etwa 55 Tagen schlüpfen die kleinen Schildkröten im Mondschein und bahnen sich ihren schweren Weg zurück in Meer. Nur etwa eines von tausend geschlüpften Tieren erreicht das fortpflanzungsfähige Alter und steuert dann sein einstiges Schlupfgebiet zur Eiablage wieder an.

Auch wir Touristen können helfen

Augen auf im Unterwasserverkehr ©PhotoArt Claudia Kleemann

Wir Touristen können mithelfen, dass uns dieser einzigartige Meeresbewohner erhalten bleibt, indem wir die Strände sauber hinterlassen und nachts Lärm und Licht an den Stränden vermeiden. Wie verlockend es auch sein mag, die geschlüpften Schildkröten sollten keinesfalls berührt werden, auch wenn man Ihnen vermeintlich nur den Weg ins Wasser erleichtern will. Die kleinen Meeresbewohner müssen die Strecke alleine finden.

Wer Interesse hat, den Gelegen und kleinen Schildkröten näher zu kommen, sollte sich mit „Archelon“ in Verbindung setzen. Die Naturschutzorganisation sucht fortwährend ehrenamtliche Helfer und bietet auch Exkursionen an, um über die Meeresschildkröten zu informieren.

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(Claudia Kleemann)