Ein Staussee, der der Landschaft und den Anwohnern guttut ©PhotoArt Claudia Kleemann

Der künstliche Potamon-Stausee befindet sich etwa 14 Kilometer südöstlich von Rethymno in der Nähe des Dorfes Prassies am Ausgang des Amari-Tales. Die Planungen des Stausees gehen zurück bis in die 1960er Jahre. Ziel war es, mit diesem Großprojekt das kostbare Wasser aus den Bergen in einem See aufzufangen, um damit die Wasserversorgung im Bereich Rethymno zu sichern. Zuvor sickerten jeden Winter und jedes Frühjahr Unmengen von Regen- und Schmelzwasser ungenutzt in den Boden. Letztendlich dauerte es bis zum Jahr 1996, bis das Bauprojekt wirklich gestartet wurde.

Was lange währt, …

Persönlich habe ich 1999 die umfangreichen Baumaßnahmen erstmalig gesehen. Bei meinen Folgebesuchen bis ins Jahr 2007 fragte ich mich immer wieder, ob dieser Stausee jemals fertig werden wird. Immerhin sollte hier ein einmaliges Biotop entstehen, welches zusätzlich die Trinkwasserversorgung sichert.

Atemberaubende Ausblicke ©PhotoArt Claudia Kleemann

2008 wurde der Stausee dann endgültig fertiggestellt und im Winter 2008/2009 erstmalig geflutet. Die Baukosten beliefen sich auf rund 50 Millionen Euro, wovon 75 Prozent von der Europäischen Union finanziert wurden.

Die Verwandlung einer Landschaft

2014 kam ich dann erstmalig in den Genuss, den gefüllten Stausee zu bewundern, der das komplette Landschaftsbild in der Umgebung verändert hatte. Mit einem Mal war die gesamte Gegend sattgrün bewachsen. Nichts war mehr vom dem tristen Grau der früheren Tage zu sehen, eine bewundernswerte Metamorphose hatte stattgefunden. Dieser sich an die Hänge schmiegende See war in seiner bizarren Form zu einem echten Naturparadies geworden. Mittlerweile gehört er zu den wichtigsten Feuchtbiotopen im östlichen Mittelmeerraum.

Natur, die keinen Tourismus braucht

Urige Taverne „Gidospito“ am Potamon-See ©PhotoArt Claudia Kleemann

Mit einer Fläche von rund 16 Quadratkilometern und einer Uferlinie von 12 Kilometern ist der Potamon-See der größte Süßwassersee Kretas. Er fasst etwa 22,5 Millionen Kubikmeter Wasser und ist an seiner tiefsten Stelle 54 Meter tief. Die Kronenhöhe beträgt 55 Meter. Sinnvollerweise ist der Potamon-See touristisch nicht erschlossen, das Campieren, Schwimmen oder Bootfahren ist untersagt, da es sich um eine Trinkwassertalsperre handelt. Es gibt jedoch eine wunderschöne Taverne (Gidospito) mit Blick über den See, die man in jedem Falle besuchen sollte, um diesen Anblick zu genießen.

Das Krokodil vom Potamon-See

In die Schlagzeilen geriet der Potamon-See im Jahr 2014, denn mehrere Besucher hatten hier ein Krokodil gesichtet. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei den Aussagen keineswegs um eine falsche Beobachtung, denn in dem See trieb sich tatsächlich ein Krokodil herum. Die herbeigerufenen Fachleute fanden heraus, dass es sich dabei um ein echtes Nilkrokodil handelte, welches vermutlich dort ausgesetzt worden war.

Bei einem kühlen Getränk die Landschaft genießen ©PhotoArt Claudia Kleemann

Die Kreter gaben dem Tier den Namen „Sifis“ und „Sifis“ schaffte es erfolgreich, den vielen Versuchen zu entgehen, eingefangen zu werden. Leider war der darauffolgende Winter zu hart für das Krokodil. Anfang 2015 fand man Sifis tot treibend auf dem See. Traurig, aber so können zumindest die Besucher den See gefahrlos bewundern.

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(Claudia Kleemann)